Siiwka Burka

Märchen aus Russland

Zum Erzählen bearbeitet von Nikolaus "Kolja" Kolleth

(c) MärchenWirkstatt Nikolaus Kolleth 2004 (Bei Quellenangabe bzw. Verlinkung Nutzung gestattet - bitte mich informieren)

 

Es lebte einmal ein sehr alter Mann, der hatte drei Söhne. Die beiden älteren waren anstellig und fleißig, sie besorgten die Wirtschaft und hielten auch auf ihr Äußeres. Der Jüngste aber hieß Iwan und war zu nichts nütze: Er ging am liebsten in den Wald und sammelte Pilze oder hockte zu Hause hinter dem Ofen. Als nun der Vater seinen Tod herannahen fühlte, bat er seine drei Söhne: "Wenn ich gestorben bin, dann kommt drei Nächte hintereinander an mein Grab und bringt mir Brot." Bald darauf starb der Alte und wurde begraben.

Dann bricht die Nacht herein, und es wird Zeit, dass der älteste Bruder zum Vater ans Grab geht. Aber ob er nun zu faul ist, oder hat er Angst, er will  nicht so recht und sagt daher zu seinem jüngsten Bruder: "Iwan, sei so lieb, vertritt mich heute Nacht. Ich kaufe dir auch einen Lebkuchen dafür." Iwan war einverstanden, nahm Brot und ging zum Grab. Dort setzte er sich hin und wartete.

Um Mitternacht öffnet sich die Erde, der Vater erhebt sich aus dem Grab und spricht: "Wer ist da? Bist du es, mein ältester Sohn? Sag, was tut sich in Russland? Bellen etwa die Hunde, oder heulen die Wölfe oder weinen gar meine Kinder?" Iwan antwortete: "Ich bin es, dein Sohn, und in Russland ist alles ruhig." Der Vater aß das Brot und legte sich zurück in sein Grab. Der dumme Iwan ging heim und sammelte unterwegs noch ein paar Pilze. Als er nach Hause kam, fragte der älteste Bruder: "Hast du den Vater gesehen?" "Ja, ich hab ihn gesehen." "Hat er das Brot gegessen?" "Ja, er hat alles aufgegessen."

Die zweite Nacht bricht herein, es wird Zeit, dass der zweite Bruder zum Vater ans Grab geht. Aber ob er nun zu faul ist, oder hat er Angst, er will  nicht so recht und sagt daher zu seinem jüngsten Bruder: "Iwan, sei so lieb, vertritt mich heute Nacht. Ich flechte dir auch ein Paar Bastschuhe dafür." Iwan war einverstanden, nahm Brot und ging zum Grab. Dort setzte er sich hin und wartete.

Um Mitternacht öffnet sich die Erde, der Vater erhebt sich aus dem Grab und spricht: "Wer ist da? Bist du es, mein zweiter Sohn? Sag, was tut sich in Russland? Bellen etwa die Hunde, oder heulen die Wölfe oder weinen gar meine Kinder?" Iwan antwortete: "Ich bin es, dein Sohn, und in Russland ist alles ruhig." Der Vater aß das Brot und legte sich zurück in sein Grab. Der dumme Iwan ging heim und sammelte unterwegs noch ein paar Pilze. Als er nach Hause kam, fragte der zweite Bruder: "Hast du den Vater gesehen?" "Ja, ich hab ihn gesehen." "Hat er das Brot gegessen?" "Ja."

Die dritte Nacht bricht herein, es wird Zeit, dass der dumme Iwan zum Vater geht. Aber er sagt: "Ich bin nun schon zweimal da gewesen, nun geht ihr einmal zum Vater ans Grab und lasst mich schlafen!" Die Brüder entgegneten ihm: "Ach höre, Iwan, du kennst es schon, geh' du doch lieber zum Grab." "Meinetwegen.", sagte Iwan, nahm Brot und ging zum Grab. Dort setzte er sich hin und wartete.

Um Mitternacht öffnet sich die Erde, der Vater erhebt sich aus dem Grab und spricht: "Wer ist da? Bist du es, mein jüngster Sohn Iwan? Sag, was tut sich in Russland? Bellen etwa die Hunde, oder heulen die Wölfe oder weinen gar meine Kinder?" Iwan antwortete: "Hier ist dein jüngster Sohn Iwan, und in Russland ist alles ruhig." Der Vater aß das Brot und sagte zu ihm: "Du bist der einzige, der meine Bitte erfüllt hat, und hast dich nicht gefürchtet, drei Nächte zu mir ans Grab zu kommen. Drum will ich dir etwas sagen." Da pfiff der Alte nach Heldenart und rief mit Reckenstimme:

 

Siiwka Burka, graubunte Stute,

komm' herbei geschwind

wie ein Blatt im Wind.

 

Die Stute sprengt herbei, die Erde zittert, aus den Augen schlagen Flammen und aus den Nüstern steigen Rauchsäulen. "Nun graubunte Stute, du hast mir gedient, so diene jetzt auch meinem Sohn." Der Alte sprach's, nahm Abschied von dem dummen Iwan und legte sich ins Grab. Der dumme Iwan streichelte die Stute, betrachtete sie von allen Seiten und ließ sie laufen; dann kehrte er nach Hause zurück. Unterwegs sammelte er wieder ein paar Pilze. Als er nach Hause kam, fragten die Brüder: "Hast du den Vater gesehen?" "Ja, ich hab ihn gesehen." "Hat er das Brot gegessen?" "Ja, er hat alles aufgegessen und hat gesagt, wir brauchten nun nicht mehr zu kommen."

Um diese Zeit erließ der Zar einen Aufruf. Alle tapferen Burschen, die ledig waren und keine Braut hatten, sollten zum Zarenhof kommen. Die Tochter des Zaren, die unvergleichliche Schönheit, hatte sich ein Schloss bauen lassen mit zwölf Kränzen und zwölf Säulen daran. In diesem Schloss wollte sie ganz oben sitzen und warten, dass einer der Burschen mit einem Satz seines Pferdes zu ihr heraufspränge und sie auf den Mund küsste. Diesem Burschen wollte der Zar seine Tochter zur Frau geben und noch sein halbes Zarenreich dazu.

Die beiden Brüder des dummen Iwan hatten auch von diesem Aufruf gehört und beschlossen, ihr Glück zu versuchen. Sie fütterten ihre Pferde mit Hafer und ritten sie zu. Dann zogen sie sich sauber an und kämmten sich die Haare. Der dumme Iwan saß derweil hinter dem Ofen und sagte: "Brüder, nehmt mich doch mit. Ich will auch mein Glück versuchen." "Du Narr, du Ofenhocker", riefen die beiden, "geh' lieber Pilze sammeln und mache dich nicht vor den Leuten lächerlich." Der dumme Iwan aber gab sich nicht zufrieden und die Brüder mussten nachgeben: "Dann nimm die dreibeinige Mähre, Dummkopf!"

Die Brüder schwangen sich auf die Pferde, schoben die Mütze in den Nacken, und ein Pfiff, ein Ruf, man sah nur noch eine Staubwolke von ihnen.

Sobald sie fortwaren, ritt der dumme Iwan in das freie Feld, in die offene Weite hinaus. Er stieg von der Mähre ab, schlachtete sie, zog ihr die Haut ab, hing die Haut über den Weidenzaun, das Fleisch aber verteilte er über das offene Feld, dann pfiff er nach Heldenart und rief er mit Reckenstimme:

 

Siiwka Burka, graubunte Stute,

komm' herbei geschwind

wie ein Blatt im Wind.

 

Da kommt, wer weiß woher, die Stute zu ihm gelaufen. Die Erde zittert, aus ihren Augen schlagen Flammen und aus ihren Nüstern steigen Rauchsäulen. Iwan streichelt das Pferd, zäumt es auf, schlüpft ihm ins rechte Ohr hinein und isst und trinkt nach Herzenslust, und als er zum linken wieder heraus kommt, ist er so groß, so stark und so schön, dass man es nicht sagen und nicht ausdenken kann, man kann es auch mit keiner Feder beschreiben. Iwan schwingt sich auf das Pferd und reitet zum Zarenhof.

Siiwka Burka, die graubunte Stute, läuft, dass die Erde bebt, Berge und Täler verdunkelt ihr Schweif, Moore und Sümpfe fliegen zwischen ihren Hufen hindurch.

Iwan kam zum Zarenhof. Dort hatte sich bereits eine riesige Menschenmenge versammelt. Im hohen Schloss mit den zwölf Kränzen und den zwölf Säulen daran saß ganz oben am Fenster die Zarewna, die unvergleichliche Schönheit, und der Zar trat auf die Treppe hinaus und sprach: "Wem von euch es gelingt, mit einem einzigen Satz seines Pferdes zum Fenster zu springen und meine Tochter auf den Mund zu küssen, der bekommt sie zur Frau und mein halbes Zarenreich dazu."

Die Burschen begannen, ihr Glück zu versuchen. Aber es war nicht daran zu denken, dass einem der Sprung gelingen würde, das Fenster war viel zu hoch. Dann kam die Reihe an Iwan. Er gab seinem Pferd die Sporen, feuerte es mit einem Zuruf an und rief: "Heijach", sprang hoch ... um zwei Kränze war er zu kurz gesprungen.

Alle hatten gesehen, woher er kam, aber niemand hat gesehen, wohin er verschwand! Er entließ das Pferd, kehrte nach Hause zurück und kletterte auf den Ofen. Bald kamen auch seine Brüder und erzählten ihren Frauen: "Ach, gute Frauen! Ein Fremder ist dort gewesen, noch nie hat man einen solchen Reiter gesehen! Beinahe hätte er die Zarewna geküsst, nur zwei Kränze habe gefehlt. Alle haben gesehen, woher er kam; aber niemand hat gesehen, wohin er verschwand! Er wird bestimmt wiederkommen ..." Der dumme Iwan saß auf dem Ofen und fragte: "War ich es vielleicht, Brüder?" - "Was du nicht sagst! Hock du nur auf dem Ofen und putz dir die Nase."

Die Zeit vergeht. Ein neuer Aufruf des Zaren. Die Brüder wollen wieder zu dem Palast reiten. Da sagt der dumme Iwan: "Brüder, nehmt mich doch mit. Gebt mir auch ein Pferd." "Bleib zu Hause du Dummkopf, jetzt willst du noch ein zweites Pferd zuschanden reiten?" Der dumme Iwan aber gab sich nicht zufrieden und die Brüder mussten nachgeben und erlaubten ihm, die dreibeinige Stute mitzunehmen.

Er tat mir ihr das nämliche, wie mit der ersten, er schlachtete sie, zog ihr die Haut ab, hing die Haut über den Weidenzaun, das Fleisch aber verteilte er über das offene Feld, dann pfiff er nach Heldenart und rief mit Reckenstimme:

 

Siiwka Burka, graubunte Stute,

komm' herbei geschwind

wie ein Blatt im Wind.

 

Da kommt, wer weiß woher, die Stute zu ihm gelaufen. Die Erde zittert, aus ihren Augen schlagen Flammen und aus ihren Nüstern steigen Rauchsäulen. Iwan streichelt das Pferd, zäumt es auf, schlüpft ihm ins rechte Ohr hinein und isst und trinkt nach Herzenslust, und als er zum linken wieder heraus kommt, ist er so groß, so stark und so schön, dass man es nicht sagen und nicht ausdenken kann, man kann es auch mit keiner Feder beschreiben. Iwan schwingt sich auf das Pferd und reitet zum Zarenhof.

Siiwka Burka, die graubunte Stute, läuft, dass die Erde bebt, Berge und Täler verdunkelt ihr Schweif, Moore und Sümpfe fliegen zwischen ihren Hufen hindurch.

Iwan kam zum Zarenhof. Dort hatte sich bereits eine riesige Menschenmenge versammelt. Im hohen Schloss mit den zwölf Kränzen und den zwölf Säulen daran saß ganz oben am Fenster die Zarewna, die unvergleichliche Schönheit, und der Zar trat auf die Treppe hinaus und sprach: "Wem von euch es gelingt, mit einem einzigen Satz seines Pferdes zum Fenster zu springen und meine Tochter auf den Mund zu küssen, der bekommt sie zur Frau und mein halbes Zarenreich dazu."

Die Burschen begannen, ihr Glück zu versuchen. Aber es war nicht daran zu denken, dass einem der Sprung gelingen würde, das Fenster war viel zu hoch. Dann kam die Reihe an Iwan. Er gab seinem Pferd die Sporen, feuerte es mit einem Zuruf an und rief: "Heijach", sprang hoch ... um einen Kränze war er zu kurz gesprungen.

Alle hatten gesehen, woher er kam, aber niemand hat gesehen, wohin er verschwand! Er entließ das Pferd, kehrte nach Hause zurück und kletterte auf den Ofen. Bald kamen auch seine Brüder und erzählten ihren Frauen: "Ach, gute Frauen! Wieder ist der Fremde dort gewesen, noch nie hat man einen solchen Reiter gesehen! Beinahe hätte er die Zarewna geküsst, nur ein Kranz hat gefehlt. Alle haben gesehen, woher er kam; aber niemand hat gesehen, wohin er verschwand! Er wird bestimmt wiederkommen ..." Der dumme Iwan saß auf dem Ofen und fragte: "War ich es vielleicht, Brüder?" - "Sei du nur still, Dummkopf! Wie zum Teufel solltest du dort gewesen sein?"

Nach kurzer Zeit kam wieder ein Aufruf des Zaren. Die Brüder wollten wieder zu dem Palast reiten. Und der dumme Iwan sagt: "Ach Brüder, gebt mir doch irgendein ein Pferd; ich möchte hinreiten und schauen." "Bleib zu Hause du Dummkopf, wie viele von unseren Pferde möchtest du noch zuschanden reiten?" Der dumme Iwan aber gab sich nicht zufrieden und die Brüder mussten nachgeben und erlaubten ihm, die Schindmähre zu nehmen. Dann ritten sie fort

Der dumme Iwan tat mir ihr das nämliche, wie mit den anderen, er schlachtete sie, zog ihr die Haut ab, hing die Haut über den Weidenzaun, das Fleisch aber verteilte er über das offene Feld, dann pfiff er nach Heldenart und rief mit Reckenstimme:

 

Siiwka Burka, graubunte Stute,

komm' herbei geschwind

wie ein Blatt im Wind.

 

Da kommt, wer weiß woher, die Stute zu ihm gelaufen. Die Erde zittert, aus ihren Augen schlagen Flammen und aus ihren Nüstern steigen Rauchsäulen. Iwan streichelt das Pferd, zäumt es auf, schlüpft ihm ins rechte Ohr hinein und isst und trinkt nach Herzenslust, und als er zum linken wieder heraus kommt, ist er so groß, so stark und so schön, dass man es nicht sagen und nicht ausdenken kann, man kann es auch mit keiner Feder beschreiben. Iwan schwang sich auf das Pferd und ritt zum Zarenhof.

Siiwka Burka, die graubunte Stute, läuft, dass die Erde bebt, Berge und Täler verdunkelt ihr Schweif, Moore und Sümpfe fliegen zwischen ihren Hufen hindurch.

Iwan kam zum Zarenhof. Dort hatte sich bereits eine riesige Menschenmenge versammelt. Im hohen Schloss mit den zwölf Kränzen und den zwölf Säulen daran saß ganz oben am Fenster die Zarewna, die unvergleichliche Schönheit, und der Zar trat auf die Treppe hinaus und sprach: "Wem von euch es gelingt, mit einem einzigen Satz seines Pferdes zum Fenster zu springen und meine Tochter auf den Mund zu küssen, der bekommt sie zur Frau und mein halbes Zarenreich dazu."

Die Burschen begannen, ihr Glück zu versuchen. Aber es war nicht daran zu denken, dass einem der Sprung gelingen würde, das Fenster war viel zu hoch. Dann kam die Reihe an Iwan. Er gab seinem Pferd die Sporen, feuerte es mit einem Zuruf an und rief: "Heijach", sprang hoch und flog wie eine Flamme am Fenster vorbei. Im Fluge küsste er die Zarewna, die unvergleichliche Schönheit, auf den Mund, und sie drückte ihm mit ihrem Ring ein Siegel, ein Zeichen, auf die Stirn. Das ganze Volk schrie: "Haltet ihn, haltet ihn!", aber da war er schon spurlos verschwunden. Iwan kam aufs freie Feld geritten, schlüpfte Siiwka Burka, der graubunten Stute, ins linke Ohr hinein und zum rechten Ohr wieder heraus und war wieder der alberne, der schmutzige, der hässliche, der unnütze, der dumme Iwan. Das Pferd ließ er laufen und ging wieder heim. Unterwegs sammelte er noch ein paar Pilze.

Zu Hause wickelte er einen alten Lappen um seine Stirn, dort wo die Zarewna ihm mit ihrem Ring ihr Siegel aufgedrückt hatte und setzte sich hinter den Ofen. Dann kamen seine Brüder zurück und erzählten, was sie gesehen hatten: "Einige Burschen waren gut", sagten sie, "aber einer war am allerbesten. Mit einem einzigen Satz seines Pferdes sprang er bis zum Fenster hoch und küsste die Zarewna auf den Mund. Alle haben gesehen, woher er gekommen ist, aber keiner konnte sehen, wohin er fortgeritten ist." Da sagte Iwan hinter dem Ofen hervor: "Vielleicht war ich das." Da wurden die Brüder böse: "Sei still, du Dummkopf hinter dem Ofen, und iss lieber deine Pilze!" Da band Iwan heimlich den Lappen von der Stirn, wo ihm die Zarewna mit dem Ring ihr Siegel aufgedrückt hatte, und die Hütte erstrahlte wie von Feuerschein. "Du Narr!", riefen die Brüder, "Was machst du da? Du steckst uns noch die Hütte über dem Kopf an!"

Am nächsten Tag erließ der Zar den Aufruf, dass er ein großes Fest richten wolle, und lud dazu alle seine Fürsten und Bojaren ein und alle einfachen Leute: arme und reiche, junge und alte. Iwans Brüder rüsteten sich auch, zu dem Fest zu fahren. Da sagte Iwan: "Brüder, nehmt mich doch mit!" "Was willst du Dummkopf dich vor allen Leuten lächerlich machen? Bleib hinter dem Ofen und iss deine Pilze!", sagten die Brüder. Dann schwangen sie sich auf die Pferde und ritten davon.

Iwan ging zu Fuß hinterdrein. Er kam zum Zarenhof und setzte sich in den äußersten Winkel. Dort ging die Zarewna, die unvergleichliche Schönheit, zwischen den Gästen umher, reichte jedem einen Pokal mit Wein und sah ihm dabei auf die Stirn, ob er nicht dort ihr Siegel habe. Sie war schon bei allen Leuten gewesen und kam schließlich zu Iwan. Sie schaute ihn an: Er war ganz rußverschmiert, und die Haare standen ihm zu Berge. Sie fragte: "Wer bist du? Woher kommst du? Warum trägst du ein Tuch auf der Stirn?" "Och, da hab ich mich gestoßen", sagte er. Die unvergleichliche Schönheit nahm ihm das Tuch von der Stirn, und das ganze Schloss erstrahlte. Da rief sie: "Das ist mein Siegel. Dies ist mein Auserwählter."

Der Zar kam hinzu, schaute Iwan an und sprach: "Was ist das schon für ein Auserwählter? Den Mann kannst du nicht heiraten. Der ist ja hässlich und ganz voll Ruß!" Der dumme Iwan bat den Zaren: "Gestattet, dass ich mich wasche." Der Zar erlaubte es ihm. Iwan ging auf den Hof hinaus und pfiff nach Heldenart und rief mit Reckenstimme, wie es ihn sein Vater gelehrt hatte:

 

Siiwka Burka, graubunte Stute,

komm' herbei geschwind

wie ein Blatt im Wind.

 

Da kam, keiner weiß woher, die Stute gelaufen. Die Erde erzitterte, aus ihren Augen schlugen Flammen, aus ihren Nüstern stiegen Rauchsäulen. Iwan schlüpfte der Stute ins rechte Ohr hinein, und als er zum linken wieder herauskam, war er so groß, so stark und so schön, dass man es nicht ausdenken und nicht sagen kann, man kann es auch mit keiner Feder beschreiben. Alle waren sprachlos. Dann wurde nicht mehr lange geredet, es wurde fröhlich Hochzeit gefeiert.

Und ich hab mich auf mein Pferdchen geschwungen,

und euch das Lied von Iwan Dummerjan gesungen!